GESCHICHTE DER STADT WORMS
Vorgeschichte
5500 v. Chr.
Erste Besiedlungsspuren (bedeutende Funde der Hinkelsteinkultur um 5000 v. Chr.)

2000 v. Chr.
Beginn der Frühbronzezeit, nach einem Fundort in Worms als Adlerbergkultur bezeichnet. Älteste Bronzefunde Deutschlands. Der Fernhandel nimmt zu (Bernstein, Salz und Rheingold).
Kelten, Römer und Germanen
800 v. Chr.
Die Kelten siedeln im Wormser Raum. Beginn der Eisenzeit. Schon sehr früh entsteht ein Feudalsystem (Fürstin von Worms-Herrnsheim). Der keltische Name von Worms ist Borbetomagus.

10 v. Chr.
Die Römer erreichen die Stadt. Auf dem späteren Domhügel entsteht ein Tempelbezirk nebst Forum und Marktbasilika. Ein römisches Kastell dürfte in dem Bereich des Paulusstifts zu lokalisieren sein.

Ab 260
Fall des Limes. Ausbau von Kastell und Stadtbefestigung.

435
Zur Verteidigung der Reichsgrenze überlässt Rom 413 den Burgundern einen Teil Galliens am Rhein. Da ihr König Gundhaar das Bündnis bricht und in die Provinz Belgica einfällt, schlägt der oberste römische Heerführer Aetius die Burgunder zurück und veranlasst ein hunnisches Heer, die Besiegten zu bestrafen.

Um 450
Ende der römischen Besatzung. Um 500 erlangen Franken die Vorherrschaft.
Das frühe Mittelalter
Um 600
Die fränkischen Merowingerkönigin Brunchildis residiert vermutlich in Worms. Von ihr oder ihrem Nachfolger Dagobert I. stammt wahrscheinlich der erste Dombau (auf Fundamenten der römischen Basilika).

Um 700
Bischof Rupertus von Worms bekehrt die Bayern zum Christentum und gründet die Stadt Salzburg.
764
Große Reichsversammlung: Pippin III. (Karolinger) gelingt es, Frankenreich zu einigen.
770
Karl der Große heiratet Desiderata, eine Tochter des bezwungenen Langobardenkönigs.
781
Große Reichsversammlung: Karl der Große erzwingt von Bayernherzog Tassilo den Treueeid.

790
Bis zu diesem Jahr residiert Karl sehr häufig in Worms, er verbringt hier oft das Weihnachts- und Osterfest und entscheidet die Geschicke seines Reiches. Die Pfalz zu Worms brennt jedoch 790 ab und Karl wendet sich ab.

829
Großer Reichstag Ludwig des Frommen. Der Sohn Karls des Großen residiert wieder häufig in Worms. Die Erbstreitigkeiten unter seinen Söhnen schwächen das Frankenreich.
839
Reichsversammlung: Ludwig der Fromme teilt sein Erbe, die Folge ist 843 der Vertrag von Verdun.

881
Einfall von Wikingern. Die andauernden Normannenkriege besiegeln das Ende der karolingischen Herrschaft.
955
Otto der Große, seit 936 neuer deutscher König, besiegt gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Konrad dem Roten (Stammvater der Wormser Salier) die Ungarn in der entscheidenden Schlacht auf dem Lechfeld.

961
Reichstag: Otto der Große bestimmt seinen Sohn Otto II. zum Nachfolger.
996
Papst Gregor V., erster deutscher Papst, aus dem Haus der Wormser Salier, krönt Otto III. in Rom zum Kaiser.
Um 1000
Burchard tritt sein Amt als Wormser Bischof an. 1002 unterstützt er Heinrich bei der Königswahl und erhält zum Danke dafür die Oberhoheit über Worms. Bischof Burchard verfasst ein bedeutendes Kirchenrecht.

1018
In Anwesenheit Heinrichs II. wird der Dom St. Peter geweiht. Neben dem Bau der vier Hauptkirchen (St. Peter, St. Paul, St. Martin, St. Andreas) legt Burchard den Grundstein für weitere Kirchen und Klöster und lässt die Stadtmauer erneuern.

Das hohe Mittelalter
1024
Konrad II. aus dem Haus der Wormser Salier wird neuer deutscher König.
1034
In Worms entsteht die erste Steinsynagoge Deutschlands. Die jüdische Gemeinde wird vermutlich in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts gegründet.

1048
Bischof Bruno von Toul wird von Heinrich III. zum Papst nominiert (Leo IX.)
1052
Gemeinsames Weihnachtsfest von Kaiser Heinrich III. und Papst Leo IX.
Um 1060
Raschi studiert in Worms. Er zählt zu den bedeutendsten Gelehrtengestalten der jüdischen Welt.

1065
Schwertleite Heinrichs IV. Der neue König residiert sehr häufig in Worms.
1073
Die Wormser Bürger öffnen dem bedrängten Heinrich IV. gegen den Widerstand des Bischofs die Tore der Stadt und leisten ihm militärischen Beistand.
1074
Heinrich IV. gewährt den Bürgern von Worms für ihre Treue Zollfreiheit. Es ist die erste Urkunde, die im deutschen Reich von einem König den Bewohnern einer Stadt ausgestellt worden ist.

1076
Synode von Worms: Heinrich IV. und die deutschen Bischöfe erklären Papst Gregor VII. für abgesetzt. Der König wird im Gegenzug von Gregor VII. exkommuniziert und ebenfalls abgesetzt. Als die Reichfürsten von Heinrich IV. abzufallen drohen, entscheidet sich der König 1077 zum „Gang nach Canossa“ um den Papst um Vergebung zu bitten.

1077
„Der Heilige Sand“, der älteste europäische Judenfriedhof, wird außerhalb der Stadtmauern angelegt.

1096
Unter Führung von Gottfried von Bouillon zieht das erste Kreuzzugsheer in Worms ein und fällt über die Juden her. Die Kreuzfahrer greifen selbst den Bischofshof an, nachdem zahlreiche Juden dorthin geflüchtet sind.
1098
Auf einem Fürstentag kommt es zum offenen Streit zwischen Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V.

1122
Das Wormser Konkordat beendet den Investiturstreit. Heinrich V. und Papst Kalixt II. versöhnen sich.
Ab 1155
Für die berühmten Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa und seinen Sohn Heinrich VI. ist Worms der Ort ihrer häufigsten Aufenthalte, Hof- und Reichstage nördlich der Alpen. Hier sammeln sie mächtige Heere zum Zug gegen ihre Widersacher.
1184
Großes Freiheitsprivileg: Barbarossa stattet Worms mit wirtschaftlichen und politischen Vorrechten aus.
1193
Richard Löwenherz wird nach seiner Gefangennahme zur Kaiser Heinrich VI. nach Worms gebracht. Es kommt zu Verhandlungen über Lösegeld.

Um 1200
Ein anonymer Dichter schreibt das Nibelungenlied und verlegt den Schauplatz der Geschichte nach Worms. Dies geschieht nicht zum ersten Mal, bereits 300 Jahre vorher kämpfen die Wormser Helden im Waltarilied.

1235
Kaiser Friedrich II. heiratet Isabella von England und festigt dadurch seinen 1229 erworbenen Titel „König von Jerusalem“. Sein abtrünniger Sohn König Heinrich (VII.) wird im Turm Luginsland festgesetzt.

1254
„Der Rheinische Städtebund“: Bündnis zur Sicherung des Landfriedens (nach dem Tod des letzten Stauferkönigs) zwischen Mainz und Worms. Bis 1256 schließen sich noch Städte wie Oppenheim, Straßburg und Köln an.
Das späte Mittelalter
1349
Die große Pest erreicht Worms, etwas jeder dritte Bewohner der Stadt stirbt. Die Schuld dafür sucht man bei den Juden; infolgedessen kommt es zu grausamen Judenverfolgungen.

1388
Der Städtebund richtet sich gegen die Landesfürsten. Seine Städte erkämpfen sich ihre Unabhängigkeit und sind von nun an nur noch dem König unterstellt (Reichsfreiheit).
1488
Kaiser Friedrich III. lässt bei einem seiner Aufenthalte das Siegfriedgrab öffnen. Dies führt zu einer neuen Identifikation der Stadt mit der Nibelungensage.

1495
Kaiser Maximilian ruft einen bedeutenden Reform-Reichstag ein. Die hierbei erwirkte Reichs-Reform bewirkt einen für das ganze Reich erlassenen „Ewigen Landfrieden“ (allgemeines Fehdeverbot), es kommt zur Einrichtung des Reichskammergerichts sowie zur Einführung einer Reichssteuer.

1513
Aufruhr der Zünfte, Konflikte um die Stadtherrschaft. Unruhen unter den Bauern.
Die frühe Neuzeit
1521
Martin Luther vor Kaiser Karl V. Reichstag zu Worms, Luther wird aufgefordert seinen Thesen abzuschwören. Luther widerruft nicht („Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“) und wird daraufhin von Karl V. mit der Reichsacht belegt. Friedrich der Weise versteckt Luther nach dem Reichstag auf der Wartburg.

1522
Der zunehmend protestantische Stadtrat entmachtet den Bischof.
1525
Der Bauernaufstand unter dem Zeichen des Bundschuhs wird bei Worms-Pfeddersheim (sehr) blutig niedergeschlagen.
1540
Religionsgespräch zur Überwindung der Glaubensspaltung zwischen Eck, Melanchthon, Calvin und Granville.

Ab 1593
Die Dalberger Hexenprozesse zu Worms-Herrnsheim veranlassen Anton Praetorius zum Kampf gegen den Hexenwahn.
Ab 1632
Schwedische und französische Truppen wüten in Worms, das Ende der herrschaftlichen Stadt wird eingeläutet.
1666
Eine Pestepidemie rafft einen großen Teil der ohnehin schon angeschlagenen Wormser Bevölkerung hinweg.
1689
Die geschwächte Stadt kapituliert vor den französischen Truppen. Auf Befehl von General Mélac wird das Signal zur totalen Zerstörung von Worms durch Brandlegung gegeben. Die Bevölkerung schrumpft auf 3000 Personen.

1725
Der Wiederaufbau der Stadt findet seinen Abschluss mit der Fertigstellung der Dreifaltigkeitskirche.
1743
George II. von England und Maria Theresa von Österreich einigen sich im Wormser Traktat

Ab 1756
Schwere Belastungen der Stadt durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) und die Revolutions- und Eroberungskriege Frankreichs.
1797
Worms fällt völkerrechtlich an Frankreich und infolge des Wiener Kongresses 1816 dann an Hessen.
Neuzeit
ab 1850
Die Heyl'schen Lederwerke sorgen für einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung der Stadt.
ab 1890
Durch Cornelius Wilhelm von Heyl entstehen zahlreiche Stiftungen. Der Architekt Karl Hofmann erbaut zahlreiche Gebäude im Stil der Neoromanik.

1930
Abzug der französischen Besatzungstruppen (seit Ende des Ersten Weltkriegs in Worms stationiert).
1937
Unter der Schirmherrschaft des Propagandaministers Joseph Goebbels initiiert die Stadt erstmals Nibelungenfestspiele.

1938
Die Reichsprogromnacht bedeutet das Ende der 1000-jährigen jüdischen Gemeinde in Worms durch die Nationalsozialisten. Die Synagoge brennt nieder.
1945
Worms wird durch Bobenangriffe der Engländer und Amerikaner in Schutt und Asche gelegt. Es folgt der Wiederaufbau.

1999
Abzug der amerikanischen Besatzungstruppen (seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Worms stationiert).
ab 2002
Unter Intendant und Regisseur Dieter Wedel veranstaltet die Stadt erneut die Nibelungen-Festspiele. Mehr dazu finden Sie unter www.nibelungenfestspiele.de




